Kasseler L-Beam

Durch Unfälle und Verletzungen kann es ebenso zu schweren Deformitäten der Nase kommen wie durch Operationen. Bei einigen Patienten sind schwere Nasendeformitäten auch angeboren. Unabhängig von der Ursache der Nasenpathologie ist die Beseitigung oder zumindest Verringerung stets eine nasenchirurgische Herausforderung. Bei manchen Fällen stellt die Nasenkorrekturoperation oder Nasennachoperation bei vorausgegangenem nasenchirurgischem Eingriff mit der Verwendung eines Rippenknorpeltransplantats die sinnvollste Behandlungsalternative dar. Allerdings muss der Operateur im Rahmen solcher chirurgischer Aufgabenstellungen mit den Besonderheiten vertraut sein, die eine Rippenknorpeltransplantation mit sich bringt.

Typische Komplikationen bei der Verwendung von Rippenknorpeltransplantaten für eine korrigierende Nasennachoperation sind das Verrutschen (Dislokation), die Verformung (Warping) sowie Unebenheiten des Transplantats, die später tastbar und sichtbar sind.

Inspiriert durch die Kollegen Simmen und Briner (Zürich) und den Kollegen Gubisch (Stuttgart) wurde dafür der Kasseler L-Beam entwickelt.

Formkonstanz des L-Beam

Beim I-Beam-Konzept der Kollegen Simmen und Briner erfolgt die Begradigung eines Ohrknorpeltransplantats durch die Knorpeldopplung mit Aufeinandernähen der konvexen Ohrknorpelseiten. In Analogie dazu werden beim L-Beam die gebogenen Außenstücke einer Rippe verwendet und nicht wie sonst üblich ein scheinbar gerades Mittelstück. Die konkaven Flächen von zwei gebogenen Rippenknorpelaußenflächen werden dann mit Matratzennähten adaptiert, sodass sich die verformenden Kräfte gegenseitig aufheben und ein Rippenknorpeltransplantat von hoher Formkonstanz entsteht.

Fixierung des L-Beam

Wolfgang Gubisch  hat für die Septumrekonstruktion bzw. die Begradigung der Nasenscheidewand die extrakorporale Septumplastik inauguriert und popularisiert. Dabei wird die auf dem Operationstisch begradigte Nasenscheidewand reimplantiert und mit Nähten u. a. auf der Spina nasalis anterior fixiert.

Gleiches gilt für den L-Beam. Dieser wird ebenfalls nach Fräsen einer sanitären Rinne und Anlage eines transversalen Bohrlochs auf der Spina nasalis anterior mit Nahtmaterial fixiert. Bei Bedarf erfolgt zusätzlich die Fixierung an den Ossa nasalia mit einer weiteren Matratzennaht. Die Fixierung am Dreiecksknorpel hingegen ist wie bei der extrakorporalen Septumkorrektur obligat.

Durch diese fixierenden Nähte wird ein Ab- oder Verrutschen des L-Beam sehr unwahrscheinlich.

Extrakorporaler L-Beam

Anfänglich wurden alle L-Beam-Nasenrekonstruktionen extrakorporal durchgeführt. Das heißt die Korrektur bzw. die Rekonstruktion der Nasenscheidewand mit Rippenknorpel erfolgte auf dem Operationstisch. Anschließend wurde die so rekonstruierte Nasenscheidewand reimplantiert.

Intrakorporaler L-Beam

Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Konstruktion eines L-Beam nicht nur in situ möglich, sondern auch in vielen Fällen sinnvoll ist. Das heißt die Konstruktion des L-Beam wird mit bzw. auf Septumknorpelresten des Patienten durchgeführt, die noch in der Nase vorhanden sind.

Modellierung und Feinkorrekturen des L-Beam

Für die Modellierung und Feinkonturierung des L-Beam hat sich der grob gekörnte (goldene Diamantbohrer) bewährt.